Die Ästhetik des Fehlers:
Vom Code zur Leinwand und zurück
Geboren 1984, begann meine Geschichte zunächst völlig analog und physisch mit einer sehr aktiven, sportlichen Kindheit. Doch mit den Jahren verlagerte sich mein Fokus: Der Bewegungsdrang wich einer tiefgreifenden, „nerdigen“ Jugend vor dem Bildschirm. Die Faszination für Technologie prägte mich nachhaltig und wurde zu meinem Beruf. Als Programmierer habe ich die digitale Infrastruktur für Plattformen wie kleinezeitung.at und diepresse.com mitgestaltet – eine Arbeitswelt, in der meist klare Einsen und Nullen, Effizienz und fehlerfreier Code zählen.
Doch privat suchte ich genau das Gegenteil. Ich entwickelte eine tiefe Liebe zum Dilettantismus und zur bewussten Imperfektion. In meinen atmosphärischen Lo-Fi-Produktionen (unter dem Namen snzro auf SoundCloud) sind es gerade die hörbaren Fehler, das Knistern und die unperfekten Loops, die der Musik ihre Seele geben. Ähnlich verhält es sich in meinen frühen visuellen Arbeiten: Ich fand meinen Ausdruck in der Glitch Art – der Ästhetik des digitalen Scheiterns, wo kaputter Code und Datenfehler plötzliche, unvorhersehbare Schönheit erschaffen.
Als später unerwartete Lebensturbulenzen meinen Alltag auf den Kopf stellten, wurde mir klar, dass sich Existenz ohnehin nicht in starren, binären Algorithmen abbilden lässt. Es regiert die Fuzzy Logic des Lebens – jener unscharfe, unkontrollierbare Raum zwischen Wahr und Falsch. Um das Erlebte zu verarbeiten, reichte der digitale Raum nicht mehr aus. So entstanden meine ersten analogen Bilder – ein roher Ausbruch in die Welt der Farben, Pinsel und echten, fühlbaren Texturen, bei dem es nie um handwerkliche Perfektion, sondern um reinen Ausdruck ging.
Heute schließt sich dieser Kreis. Durch die Künstliche Intelligenz habe ich meine alte Liebe zur generativen Kunst wiederentdeckt. Hier verschmelzen nun alle meine Welten: Die Logik des Programmierers, das auditive Gespür für Loops und Klangschichten, die emotionale Erdung der analogen Kunst und die Faszination für den Fehler.
Ein aktuelles Beispiel für die neue Faszination der KI ist ein interaktiver Meditations-Looper: Puffy Utopian Alps. Hier wird Code nicht mehr nur zur Informationsverarbeitung genutzt, sondern zu einem interaktiven Raum für Achtsamkeit und Klang.